Über mich

Es könnte auch ganz anders sein.

Sabine M. Paul

Der Satz ist unbequem, sobald du ihn ernst nimmst. Denn das meiste, was du über dich für wahr hältst, hat irgendwann jemand anderes ausgesprochen — gut gemeint oder nicht — und durch Wiederholung ist daraus eine Überzeugung geworden, die sich anfühlt wie eine Tatsache. Über Tatsachen redet man nicht mehr, man richtet sich danach ein.

Ich arbeite mit Frauen, die viel versucht haben und trotzdem an derselben Stelle stehen. Wir holen diese fremdgeprägten Überzeugungen hervor, schauen sie uns genau an und stellen sie infrage. Bei meinen eigenen habe ich damit angefangen, lange bevor ich es jemand anderem zugemutet habe.

Angenehm ist das selten. Sobald eine Überzeugung in Bewegung kommt, nach der du dich jahrelang eingerichtet hast, wehrt sich alles in dir. Der Körper ist dabei als Erster da — er reagiert längst, während dein Verstand den Gedanken noch zu Ende denkt. Die Komfortzone ist der Ort, an dem du weißt, was auf dich zukommt, und alles außerhalb davon ist erst einmal fremd. Das gilt auch dann, wenn das Neue das Bessere ist: Einen guten Zustand, den du noch nie erlebt hast, fürchtest du genauso wie einen schlechten.

Deswegen verspreche ich dir hier nichts Gemütliches. Eine Radikalkur allerdings auch nicht. Deine Komfortzone wird weiter, in Schritten, die du selbst bemisst — und wie groß ein Schritt sein darf, spüren wir gemeinsam.

Wenn es zwischen zwei Terminen unruhig wird, bleibst du damit nicht allein. Ich bin zu festen Zeiten erreichbar, ohne dass du auf den nächsten Termin warten musst. Therapie mache ich keine — wenn etwas dorthin gehört, sage ich dir das.

Das Leben ruckelt, wenn es in den nächsten Gang schaltet.

Über das Nachdenken allein kommst du an diese Überzeugungen schwer heran. Dein Arbeitsspeicher hält sieben Dinge gleichzeitig, plus minus zwei — dieselbe Menge, die du dir beim Einkaufen ohne Zettel merkst. Beim Grübeln stößt du deswegen immer wieder auf dieselben paar Punkte und drehst dich im Kreis. Und das, worum es eigentlich geht, sitzt tiefer als die Stelle, bis zu der du denkend kommst.

Deswegen arbeite ich mit Stift und Papier. Es geht dabei nur um Linien und einfache Figuren — zeichnen können ist keine Voraussetzung. Wer sich Mühe gibt, es ordentlich zu machen, bleibt sogar im Kopf hängen, und genau dort wollen wir ja weg.

Der Stift muss sich bewegen und etwas zeichnen, damit das Hirn damit beschäftigt ist, diesen Linien zu folgen und zu staunen, was entsteht. Was auf dem Papier landet, hält der Kopf nicht mehr fest, und darunter kommt zum Vorschein, was du mit Worten noch nicht erreichst.

Ich hatte eine Frau in Begleitung, deren Linien sich nicht überkreuzen ließen. Sie wollte es. Sie nahm sich vor, eine Linie über die andere zu führen — und die Hand machte es nicht. Der Stift bog jedes Mal ab, kurz davor. Erst danach kam die Frage: Welche Grenze ist dir vorgegeben, die du nicht überschreiten darfst? Sie hatte sich vorher nicht hingesetzt und gesagt, ich habe ein Thema mit Grenzen. Die Regel war da, bevor sie ein Wort dafür hatte.

Das Unterbewusstsein hat keine Worte. Es spricht mit Bildern und Emotionen.
Neurokreative Zeichnung: zwei ineinandergreifende Kreise aus vielfach nachgezogenen Linien

Teilweise ist es wie Aufstellungsarbeit, nur auf dem Papier mit der Magie der Kreativität. Das Magische verliert sich mit der Übung nicht, es wird genauer. Beim ersten Mal trifft es am unmittelbarsten, weil du noch keine Erwartung mitbringst. Dafür reichen ein Blatt und ein Stift.

Das ist der Grund für den Namen: neurokreative Arbeit. Ich verbinde, was ich über Kreativität weiß, mit dem, was die Hirnforschung über unsere Muster weiß. Es geht darum, dein Unterbewusstsein mit an Bord zu holen. Solange es außen vor bleibt, boykottiert es — du nimmst dir etwas fest vor, und im entscheidenden Moment tust du es doch nicht, ohne zu wissen, warum.

An Bord kommt es über Emotionen und Bilder, und dafür müssen Körper, Gefühl und Gedanke gleichzeitig beteiligt sein. Bei manchen Zugängen sprichst du laut aus, was dir durch den Kopf geht, bei anderen führt dich eine Stimme. Am schnellsten geht es mit dem Stift — wenn das Thema danach verlangt und du dafür bereit bist.

Sabine M. Paul

Ich weiß, wie es ist, wenn eine Überzeugung länger hält als der Zustand, in den sie gehört. Neun Jahre Gaststätte, vier Kinder, und irgendwann war das Zeichnen weg. Ich habe funktioniert, und es ist mir nicht einmal aufgefallen. Gewachsen ist in dieser Zeit etwas anderes: „Ich kann es nicht mehr." Erst als ich wieder anfangen konnte, habe ich gemerkt, was gefehlt hat — und was dieser eine Gedanke mit mir gemacht hatte. Aus diesem Punkt ist alles Weitere entstanden, die Jahre in der Kreativpädagogik an der Schule und später die Arbeit mit Erwachsenen.

Wertung wegzulassen ist mir wichtig. Versprechen kann ich es nicht, Bewerten gehört zum Menschsein und mich schließt das ein. Ich merke es inzwischen schnell, schaue mir die Wertung an und löse mich davon. Was bleibt, ist die Frage, was etwas bedeutet, und die Bitte, mir zu erklären, was ich noch nicht verstehe. Das ist Augenhöhe, und für viele die ungewohnteste Erfahrung im ganzen Prozess, weil sie darauf warten, dass gleich ein Urteil kommt.

Ich stehe dazu, dass ich Dinge so getan habe, wie ich sie getan habe, und schaue hinterher noch einmal darauf, statt zu sagen: So bin ich halt. Das ist Verantwortung, und mit Schuld hat es nichts zu tun.

Dieses Nie-fertig-Sein hält mich lebendig. Auch wenn es radikal klingt: Zu sagen, ich bin jetzt fertig, ist für mich eine Art Todesurteil. Was kommt denn danach? Das Leben ist Lernen und Entwicklung, und genau das macht es wertvoll.

Das klingt jetzt sehr überzeugend. Es könnte auch ganz anders sein.
Für alle, die es genau wissen wollen
1987Abschluss Fotografin, München
1993Abschluss Grafikdesign — CCAC Oakland (CA) und Blochererschule München
2009Neun Jahre Gastwirtin in München
2021NeuroGraphik — Trainerin & Ästhetischer Coach, IKP
2022Neun Jahre Kreativpädagogik an der Mittelschule München
2023„Zeichne einfach – Musengeküsst", Frauenschuh-Verlag
2025Hirnforschung & Methodenkompetenz — Mindset Energy Academy
seit 2019Frauenschuh-Verlag, Verlegerin
seit 2020Begleitung in Einzelarbeit und Programmen

Wenn du das an dir überprüfen willst: Wir sprechen.

Zwanzig Minuten, unverbindlich, bei mir in München oder über Zoom, wenn der Weg zu weit ist. Du erzählst, ich höre zu, und danach wissen wir, ob es passt. Vorher bekommst du ein paar Fragen von mir — der erste Teil der Kontaktaufnahme, fünf bis zehn Minuten, wenn du sie intuitiv beantwortest.

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