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Geschichten·24. September 2026·6 Minuten Lesezeit

Fünf Phasen und ein Sommer

Farbstiftzeichnung einer Spirale in Orange, Türkis und Ocker, verbunden mit vielen Kreisen

Ja, es ist so weit, und das zwei Monate früher, als ich dachte: Meine Webseite ging live. Ich musste gut aufpassen, dass ich nicht zum Computer-Nerd werde. Die letzten Wochen habe ich mich fast so gefühlt, jedoch ohne Jogginghose und Hoodie.

Dafür bin ich tief in einen Prozess eingetaucht, der immer in fünf Phasen abläuft. Jeder Prozess, egal, was du angehst.

1. Holz – Kindheit, Neugier, Bewegung

Zuerst die Vision, wie es in Zukunft sein kann, und die kindliche Neugier, die dich in Bewegung bringt. Bei mir war es ein Site-Check, bei dem ich über die elendiglich langen Ladezeiten erschrak. Die Empfehlung war, die Bilder kleiner zu rechnen. Nachdem ich viel Zeit damit verbracht hatte, stellte sich heraus: Es liegt nicht an den zu großen Bildern allein. Das komplette System auf meiner WordPress-Seite schleppt einen inakzeptablen Rechenaufwand mit sich.

Außerdem war auf meinen Seiten Wildwuchs entstanden, der sich optisch und auch inhaltlich verselbstständigt hat. Mehrere Versuche, dies in den Griff zu bekommen, sind gescheitert.

2. Feuer – Jugend, Leidenschaft, Aufbruch

Der einzig logische Weg, den ich sah, war, alles neu zu machen. Weg von Plattformen und Plugins, die regelmäßig aktualisiert werden müssen und Daten sammeln. Weg von einem Mailprogramm, das nie verstand, wann es welche Mail rausschicken soll. Ich hatte angefangen, mit der Anthropic-KI zu arbeiten, und als ich von Claude Cowork und Code erfuhr, war ich nicht mehr zu halten. Go for it und realisiere es.

Die Phase der Leidenschaft begann. Du tust alles für deine neue Liebe. Du brennst für deine Idee, und nichts kann dich davon abbringen. Die Phase der Jugend, in der du das Gefühl hast, du kannst die Welt aus den Angeln heben. In dieser Phase fiel die Entscheidung: Bis Ende November steht meine neue Webseite. Und mit dem Feuer im Herzen sortierte ich, worüber ich erzählen will und was momentan nicht relevant ist.

Die Entscheidung stand und meine Gedanken kreisten nur noch um das Wie. So klar und strahlend stand die Idee vor mir und mit diesem Antrieb begann ich eine Bestandsaufnahme.

Auf der anderen Seite ist es auch die Phase des Zweifels: Soll ich mir das wirklich antun? Verzweiflung und Wut kamen auf, wenn ich den Überblick verlor und nicht mehr wusste, was mir selbst wichtig ist, oder wenn etwas nicht so funktionierte, wie ich es mir vorstellte. Wenn ich mir selbst wieder so einen Overload geschaffen hatte, dass ich nicht mehr wusste, wie ich alles sortiert bekomme.

3. Erde – erwachsen, stabil, klar

Durchatmen, kurz innehalten und ab in die nächste Phase. Die Erde: Überblick verschaffen, was bleibt, was kann warten und was kommt weg. Nun eine Seite nach der anderen durchgehen und mit erwachsenem Blick betrachten. Dazu gehört auch, alle Texte zu überarbeiten, neue Formulierungen zu finden und ein neues Design zu entwerfen.

Und die Frage: Was will ich der WWW-Welt geben? Das war der größte Part meines Relaunches. Viele Stunden verbrachte ich mit Positionierung, Formulierungen, dem Durchgehen der vorhandenen Texte und mit der Überlegung, wie die Seiten wirken sollen.

In dieser Phase habe ich mir eine Frage gestellt, die ich meinen Kundinnen oft stelle: Wohin ist mein Ziel gerichtet? Schaffe ich mir damit eine neue Realität, oder will ich aus einer Situation heraus? Mein erster Antrieb waren die Ladezeiten und das Flickwerk, das ich nicht mehr ertragen konnte. Mit früheren Überarbeitungen wollte ich vor allem davon weg, hier hatte mein innerer Quatschie leichtes Spiel. Er mag keine Veränderung, und Neues ist für ihn erst einmal Gefahr, bevor es Gewohntes wird. Erst als ich genau vor Augen hatte, wie die neuen Seiten aussehen und was sie für die Menschen tun sollen, die sie besuchen, war das Ziel wirklich meins.

Erst als ich genau vor Augen hatte, wie die neuen Seiten aussehen und was sie für die Menschen tun sollen, die sie besuchen, war das Ziel wirklich meins.

4. Metall – Struktur, Ordnung, feste Abläufe

Jetzt war die Zeit für Strukturen. Mit diesem Ergebnis wandte ich mich an Claude. Fütterte ihn mit all meinen Ideen, mit Vorgaben und was ich mir vorstelle, was am Ende entstehen soll. Das war am Anfang oft sehr enervierend, bis mein Second Brain verstand, er soll nicht meine Texte glätten, sondern korrigieren und auf den roten Faden überprüfen. Nichts erfinden oder dazudichten. Mich nicht mit Lob und positiver Motivation überschütten, egal welchen Blödsinn ich ihm gab.

Claude briefen, dass er mit mir kritisch kommuniziert und nachfragt, wenn ich einen Gedanken nicht zu Ende bringe oder eine Anweisung nicht klar ist. Dabei hat mich oft geärgert, dass wirklich streiten mit der KI nicht funktioniert.

So sind nach und nach die neuen Seiten entstanden, inklusive Anbindung an Newsletter, Bezahlplattform und Kursbereich. Und das alles mit nur einem Cookie.

5. Wasser – Loslassen, Weisheit

In den letzten Tagen vor dem Livegang habe ich viel gezeichnet. Ein Bild ist eine Ekstase in Gelb und Grün geworden, voller flüchtiger Gedanken, die ich nicht festhalten konnte und auch nicht wollte. Es ging darum, mich ganz dem Zeichnen hinzugeben. Danach war ich ruhiger. Das Lampenfieber der letzten Tage war verschwunden, und mit ihm der Bammel, den ich vor dem Livegehen hatte.

Farbstiftzeichnung in Gelb, Grün und Orange: ein großer Kreis mit Strahlen, daneben kleinere Kreise und fließende Linien

Eine Woche lang habe ich ungeduldig das neue System getestet und geprüft, ob alles funktioniert, wie es funktionieren soll. In dieser Woche entschied sich, ob ich all das in die Tonne kloppe oder wirklich damit in die Welt gehe. Denn Zweifel beschäftigten mich immer wieder während des ganzen Prozesses. Jetzt bin ich neugierig, wie dir gefällt, was du siehst.

Wo steckst du gerade?

Nach Wasser beginnt die Reihe von vorn, mit der nächsten Idee. Jede dieser fünf Phasen hat auch ihre ungesunde Variante, so wie alles im Leben. Zu viel Holz, und du sammelst Ideen, ohne jemals eine davon anzufangen. Ist zu viel Feuer in dir, verbrennst du dich an deiner eigenen Leidenschaft. Ein Übermaß an Erde, und du planst, bis deine Idee abgelaufen ist. Zu viel Metall lässt die Struktur wichtiger werden als das, wofür sie gedacht war. Mit zu viel Wasser lässt du los, bevor etwas fertig gereift ist.

Entscheidend ist, dass du in keiner Phase stecken bleibst. Wenn bei dir gerade etwas feststeckt, schau nach, in welcher Phase du gerade bist. Du erkennst es auch daran, dass du benennen kannst, was fehlt, damit es weitergeht.

Mira hilft dir beim Hinschauen

Es gab Tage, an denen ich den Rechner aufklappte und nach einer Viertelstunde wieder zuklappte. An einem dieser Tage fing ich an, mir Fragen zu stellen. Was arbeitet da in mir gegen mich? Wo will ich nicht hinschauen?

Das Gespräch führte ich mit einer KI, der ich vorher genau gesagt hatte, wie sie fragen soll. Sobald ich mit einer Antwort einen Bogen um den eigentlichen Punkt machte, sprach sie es an. Am Ende fasste sie zusammen, was sie erkannt hatte.

Von diesem Gespräch war ich so angetan, dass ich daraus eine App gebaut habe. Sie heißt Mira, sie ist eine der neuen Seiten und ab jetzt für alle da. Wenn du merkst, dass da etwas ist, um das du seit Wochen herumgehst: Hier findest du Mira.

Herzlichst Sabine

Sabine M. Paul
Geschrieben von

Sabine M. Paul, Strategin für Innere Souveränität. Ich arbeite mit Frauen, die nach außen gut funktionieren und innen etwas anderes spüren. Mehr über mich →

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